DIE KUNST DES ROADTRIP
Carmen Meier und Aaron Kohler | 3. März 2023

DIE KUNST DES ROADTRIP

Zwei Persönlichkeiten mit unfehlbarem Stilbewusstsein, eine malerische Route, zwei ikonische Sportwagen – das war die Ausgangslage der ersten Porsche Art Tour, die im letzten Herbst entlang mancher Design- und Kunst-Hotspots von Basel bis ins Engadin führte.

Wir alle kennen das: Manchmal begegnen wird im Leben einer Person und spüren bereits beim ersten Blick, beim Händedruck oder beim ersten Wortwechsel eine spezielle Verbindung. «Kennen wir uns von irgendwo?», fragen wir uns dann. Oder wir sagen: «Es ist, als würde ich dich schon seit langer Zeit kennen.» Manchmal fällt sogar das Wort Seelenverwandtschaft.

Zu einer schicksalhaften Begegnung kommt es auch an diesem schönen Tag im Herbst des letzten Jahres. In einem sorgfältig mit Kunstwerken ausgestatteten Basler Architekturbüro unweit des Kunstmuseums treffen zwei Menschen aufeinandertreffen, die sich zuvor nicht gekannt haben: Carmen Meier und Aaron Kohler.

Sie ist eine leidenschaftliche Malerin, die in der Kunst- und Kulturszene bestens vernetzt und heute überwiegend als Model tätig ist, auch international. Er ist ein Architekt, Creative Director und der Mitinhaber von KOHLERSTRAUMANN. Sie ist mit einem Architekten verheiratet, verbringt die Hälfte des Jahres im Bergell und hat sich im Laufe ihres Lebens schon mehrfach neu erfunden. Er war früher ebenfalls als Model tätig, lebte eine Zeitlang in Asien, begann zu fotografieren, beendete das Architekturstudium an der Fachhochschule Nordwestschweiz und rief 2021 die Kunst-Plattform Untitled Basel ins Leben.

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«Kunst engt nicht ein, sie darf alles sein, und jeder darf sich mit ihr so ausdrücken, wie er oder sie das möchte.»

Aaron Kohler

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Kurz: Beide verfolgen ihre Lebensträume kompromisslos. Die Bündnerin wie auch der Basler haben klare Präferenzen, Vorlieben und Visionen. Carmen Meier und Aaron Kohler mögen andere Ziele im Leben haben, und ihre Träume sind sehr unterschiedlich. Gleichzeitig verbindet sie die Art und Weise, wie sie Letztere verfolgen. Sie beide sind getrieben von ihrer Ambition, sprühen vor Lebensfreude und verfügen über ein untrügerisches Gespür für die schönen Dinge.

Zugegeben, zum Rendezvous an diesem Tag kam es nicht ganz zufällig. Es wurde eingefädelt. Und doch ist förmlich zu spüren, dass Carmen Meier und Aaron Kohler viele Interessen, Ansichten und Lebenseinstellungen verbinden. Da ist kein Eis, das erst gebrochen werden muss, und da sind keine Hemmschwellen, die es zu überwinden gilt. Die Chemie stimmt auf Anhieb. Zum Glück, schliesslich werden die beiden gleich ein ganzes Wochenende zusammen verbringen. Geplant ist ein Debüt: die Porsche Art Tour. Diese steht ganz im Zeichen der Kunst, des Designs, der Architektur, der Natur und des Motorsports. Es soll Platz geben zum Staunen, aber auch Raum für tiefgründige Gespräche.

Um an diesem Wochenende schnell, vor allem aber auch mit Stil unterwegs zu sein, stehen vor dem Architekturbüro ein Porsche Taycan und ein Porsche 911 Carrera bereit. Von Aaron Kohlers Wohn- und Arbeitsort am Rhein geht es via Zürich weiter in die Heimat von Carmen Meier, den Kanton Graubünden. Die malerische Strecke wird die beiden Protagonisten über den Julierpass ins Engadin führen, vorbei an St. Moritz nach Zuoz, Lavin und Susch und schliesslich über den Flüelapass wieder zurück Richtung Unterland.

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Muzeum Susch, ZernezFlüelapass (2383m ü M.) Hotel Castell, Zuoz

Kohlerstraumann, Basel

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Die Reise beginnt in Basel, im Architekturbüro von Aaron Kohler.

Architektur Büro, Kohlerstraumann, Basel

Julier Pass

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Eauf dem Weg in Engadin gibt es einen kurzen Stopp beim Origen-Turm auf dem Julierpass (2284 Meter über Meer).

Origen-Turm, Julierpass (2284m ü M.).

Stalla Madulain

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Kunstwerk «We are Sorry, 2013” von Jani Leinone in der Kunstgallerie Stalla Madulain in Madulain. Sie stellen vor allem contemporary Art aus.

Kunstwerk «We are Sorry, 2013” von Jani Leinone, Stalla Madulain.

James Turell Turm

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Direkt neben dem Hotel Castell in Zuoz befindet sich das Kunstwert «Skyspace Piz Uter, 2005» von James Turrell.

Kunstwert «Skyspace Piz Uter, 2005»,James Turrell, Zuoz.

Muzeum Susch

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Steinhalle im Muzeum Susch. Das Muzeum in Untergengadin zeigt vor allem zeitgenössische Kunstwerke.

Muzeum Susch, Susch.

Flüela Pass

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Auf dem nach Hause Weg vom Engadin geht es über den Flüelapass (2383 Meter über Meer) zurück nach Zürich und Basel.

Flüelapass (2383m ü M.)

«Kunst hat viel mit Freiheit zu tun», wagt Aaron Kohler unterwegs eine Definition. «Kunst engt nicht ein, sie darf alles sein, und jeder darf sich mit ihr so ausdrücken, wie er oder sie das möchte.» Ob Freud, Angst, Liebe, Hass – wie auch bei der Architektur sei es die Aufgabe von Kunst, Gefühle auszulösen, einen sinnlich abzuholen, so Kohler, der für seine Leidenschaften Architektur, Design und Kunst – die er sich zum Beruf gemacht hat – weit herumkommt, regelmässig London, Paris, Miami oder Los Angeles besucht.

An diesem Tag aber erreichen die beiden als nächstes die kleine Ortschaft Madulain im Oberengadin. Die Ausstellungsräume der Galerie Stalla Madulain, die sich in einem Stall aus dem 15. Jahrhundert befinden, imponieren dem 35-jährigen Architekten besonders. «Es ist inspirierend, wie bescheiden Art und Weise der Präsentation sind und welche Wirkung damit erzielt wird», so Kohler. Viel Eindruck macht ihm eine Station weiter auch das Bauwerk «Skyspace» des US-amerikanischen Künstlers James Turrell beim Hotel «Castell» in Zuoz: «Die Kulisse mit dem Turm, der einfach so neben dem Hotel steht, aber überhaupt diese Kombination aus Bergwelt, Ruhe, Zurückhaltung und internationaler Kunst, all das ist schon sehr cool.»

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«Kunst erweitert das Leben.»

Carmen Meier, Model

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Ob stehend vor Kunstwerken oder beim Betrachten der Natur bei Zwischenhalten: Meist sind zur Verständigung keine Worte nötig. An dem Basler Jungunternehmer schätzt die Bündner Powerfrau den «schönen Umgang», seine Vielfältigkeit sowie das breite kulturelle Denken. Carmen Meier fasst den Kunstbegriff sehr breit: «Kunst erweitert das Leben.» Kunst erlaube uns sogar, dem erdrückenden Alltag ein Stück weit zu entfliehen: «Kunst anzusehen oder selbst herzustellen, ist eine Art von Entlastung.» Sie, die in Zürich die Kunstgewerbeschule besuchte, kann sich an einen speziellen Moment der Erweckung erinnern. «Das war eine Ausstellung von Joseph Beuys im Kunsthaus Zürich», so Carmen Meier. «Er schuf ein Raum, dessen Wände rundherum mit dickem, grauem Filz ausgekleidet waren.» In der Mitte dieses Raums habe ein Steinway-Flügel gestanden – doch jeder Tastenanschlag verstummte, verschluckt vom Filz. Und um in diesen Raum der Stille und des Neuanfangs zu gelangen, so Carmen Meier weiter, habe man durch eine kleine Öffnung kriechen müssen: «Dieses Erlebnis gab meinem Leben einen komplett neuen Impuls.»

Neue Impulse gibt es während der Porsche Art Tour zuhauf – auf der Strasse, in der Natur oder in den vielen inspirierenden Räumlichkeiten. Dazu zählt auch das Kunst- und Design-Hotel «Linard Lavin», wo der Roadtrip zum wortwörtlichen Trip wird. Ein offener Geist ist gefragt. «Mich interessiert das Reine», sagt Carmen Meier. Sie möge das Kompromisslose, Puristische eines Peter Zumthor oder Valerio Olgiati genauso wie den kreativen, zeitgemässen Umgang bei der Renovation historischer Bauten. Sie sei eine absolute Ästhetin und ein Freigeist. Auf ihrer Kulturagenda sind Anlässe wie die Art Basel oder die Biennale di Venezia Fixpunkte. Ihre Lieblingsmuseum sind das MoMA in New York oder das Louisiana Museum of Modern Art im dänischen Humlebæk. Und als die Porsche Art Tour schliesslich das Muzeum Susch erreicht, sagt Carmen Meier: «Auch hier bin ich fast schon ein Dauergast».

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Anders als Carmen Meier sei Aaron Kohler im «Museums-Mekka Basel» schon in frühem Alter mit Kunst konfrontiert worden. Die Fondation Beyeler in Riehen sei noch heute eines seiner liebsten Museen, was auch am Bau von Renzo Piano liege: «Dieser ist zurückhaltend und spektakulär zugleich, weil er der Kunst und der Natur so viel Platz einräumt.» Zwar seien die Arbeitsprozesse im Bereich der Kunst ganz anders als jene in der Architektur, sagt Aaron Kohler – «und doch profitiere ich von der Nähe zu den Kunstschaffenden, die sich durch Untitled Basel ergibt». Zwar versteht er sich selbst in erster Linie als Architekt, doch die Kunst sei eine ständige Begleiterin.

«Schönheit macht glücklich», sagt Carmen Meier einmal. Kunst ist auch in ihrem Leben eine Konstante wie auch die Disziplinen Design, Architektur, Musik – und die Mode: «Ich mag Entwürfe, die reduziert, einfach und zeitlos sind», sagt sie. Diese Philosophie beziehe sich auf ihren gesamten Lebensstil. So gilt ihre Passion dem kleinen Schwarzen in der Garderobe genauso wie dem etwas grösseren Schwarzen in ihrer Garage: dem Porsche 911 Carrera Cabrio.

Zwei Tage sind keine Ewigkeit. Und doch transportieren die stimmungsvollen Bilder, die auf der Reise entstehen, die Magie des Moments und die Verbundenheit von zwei Menschen, die sich Stunden zuvor noch fremd waren – kein Wunder, schliesslich hat mit Oliver Rust ein Fotograf den Ausflug begleitet, der selber schon für die «Driven by Dreams»-Kampagne von Porsche vor der Linse stand.

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